cura - ganzheitliches Perfusionssystem für Spenderorgane

cura - ganzheitliches Perfusionssystem für Spenderorgane

Allein in Deutschland warten täglich rund 10.000 PatientInnen auf ein passendes Spenderorgan und damit meist auf ihre letzte Chance ein ganz normales Leben zu führen. Jeden Tag müssen drei von ihnen sterben, da weltweit ein massiver Spenderorganmangel herrscht. Angeschlagene oder vorgeschädigte Organe würden den Transport vom Entnahmeklinikum quer durch Europa zum Transplantationszentrum nicht überstehen, weshalb allein in Deutschland jährlich 2000 der so dringend benötigten Spenderorgane im Müll landen. Um dem Problem des Spenderorganmangels und dem daraus resultierenden Zeitstress für die am Organspendeprozess beteiligten Akteure entgegenzuwirken, wurde cura entwickelt.


Um Organschäden während des Transports zu vermeiden, bedient sich das Transportsystem cura der Konservierungsmethode der Perfusion. Das Organ wird hierbei gekühlt und bei etwa vier bis sechs Grad Celsius transportiert. Anders als bei der statischen Konservierung auf Eis, werden die Organe kontinuierlich mit einer sauerstoff- und nährstoffreichen Lösung durchspült. Diese Art der Konservierung ist deutlich schonender für das Organ, da es durch die Perfusionslösung mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Außerdem werden die Gefäße durch das Durchspülen offen gehalten. So können die Spenderorgane wesentlich länger konserviert werden und das Gewebe wird während des Transports weniger Stress ausgesetzt. Dies ermöglicht die Erweiterung des Spenderpools um leicht bis mittelschwer vorgeschädigte Organe.

Das Transportsystem wurde modular gestaltet, um den Volumenunterschied der Organe auszugleichen. Das untere Modul beinhaltet die Technikkomponenten und bleibt bei allen Organen dasselbe. Darauf kann entweder ein großes Organmodul für die Organe Lunge und Leber gesteckt werden, oder das Modul für die kleineren Organe Herz und Niere. Das Organ selbst befindet sich in einem mit Perfusionslösung gefüllten Behältnis und ist umgeben von Kühlelementen.


modulares Transportsystem


Im Transplantationszentrum angekommen, kann das Organbehältnis aus dem Transportsystem entnommen und ohne das Organ zusätzlich zu manipulieren an eine Rekonditionierungsbasis angedockt werden. Dort werden dem Spenderorgan zusätzlicher Sauerstoff und weitere Nährstoffe zugeführt. Währenddessen wird das Organ durch Perfusion langsam auf etwa 20 °C erwärmt. Durch diese schonende Erwärmung ist das Spenderorgan keinen abrupten Temperaturschwankungen ausgesetzt, was Wiedererwärmungsschäden verhindert.


Außerdem besteht die Möglichkeit Vorschäden durch gezielte Medikamentenzufuhr zu therapieren. Das Organ wird sozusagen vor Implantation „aufgepäppelt“, um ein gesünderes Organ transplantieren zu können. Je besser die Organqualität, desto höher der langfristige Transplantationserfolg. Während dieser Rekonditionierungsphase kann das Ärzteteam wichtige Vitalwerte und Daten erheben, die Aussagen über den Transplantationsverlauf liefern. Dies ermöglicht eine gezieltere Planung der Rehabilitationsmaßnahmen für den Organempfänger, die speziell auf das neue Organ zugeschnitten sind


Rekonditionierung der Spenderorgane vor Transplantation


Abgerundet wird das innovative Perfusionssystem durch die cura App, die den am Organspendeprozess beteiligten Akteuren die Kommunikation untereinander und die Organüberwachung während des gesamten Prozesses erleichtert. Sollte die Temperatur auf ein kritisches Level ansteigen, oder eine technische Komponente ausfallen, schlägt die App Alarm und benachrichtigt die zuständigen Personen über das Smartphone.


App vereinfacht Kommunikation und Organisation