vie – Intensivversorgung von Frühgeborenen

vie – Intensivversorgung von Frühgeborenen

vie basiert auf einem Durchbruch von Forschung und Technologie: Der Entwicklung eines künstlichen Uterus. Das Konzept setzt den aktuellen Forschungsstand für die zukünftige Versorgung Frühgeborener mit der Intention um, frühgeborene Kinder besonders schonend und entwicklungsfördernd behandeln zu können, um Gesundheitsprobleme zu reduzieren.

Wenn frühgeborene Kinder auf die Welt kommen, befinden sie sich an der Grenze der Lebensfähigkeit. Ihre Organe sind noch nicht ausgereift und können sich außerhalb des Mutterleibes meist nicht zufriedenstellend weiterentwickeln. Bisher werden die Kinder in Inkubatoren, sogenannten Brutkästen, versorgt. Obwohl die Überlebensrate von Frühgeborenen in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist, tragen viele dieser Kinder langfristig Gesundheitsprobleme davon.

Problematisch ist die Umgebung, der Frühchen in Inkubatoren ausgesetzt sind: Im Mutterleib sind sie geschützt durch das Fruchtwasser – Inkubatoren verfügen jedoch nur über einen mit Luft gefüllten Innenraum, dessen Luftfeuchtigkeit reguliert werden kann.

Um die Versorgung von Frühgeborenen zu optimieren, wird schon seit mehreren Jahrzehnten an der Entwicklung eines künstlichen Uterus geforscht. 2017 wurde eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass frühgeborene Lämmer über mehrere Wochen erfolgreich in einer künstlichen Gebärmutter versorgt werden konnten. Laut dieser Studie ist diese Technologie in fünf bis zehn Jahren für den Menschen einsetzbar – eine große Chance für Frühgeborene, risikofrei in die Welt zu starten.


Die Bachelorarbeit vie ist eine intensive Auseinandersetzung mit der Übertragung dieser Forschungstechnologie für den Einsatz bei menschlichen Frühgeborenen, den ethischen Dimensionen und ihrem Potenzial zur Verbesserung der bis dato möglichen Behandlungsmaßnahmen.

Kernbestandteile sind ein Fruchtwasser- und ein Blutkreislauf, die die medizinische Versorgung des frühgeborenen Kindes sichern. Zudem wird das Kind mit Reizen stimuliert, die der natürlichen Umgebung im Mutterleibs entsprechend konzipiert sind: Dazu zählen die Bewegung der Lunge und die Übertragung von Herztönen und Stimmen. Eingesetzt wird vie in Perinatalzentren und auf neonatologischen Intensivstationen die für die Intensivpflege von Frühchen ausgelegt sind. vie steht in abgedunkeltem Umfeld und wird dezentral überwacht, damit keine Alarmsignale in der direkten Umgebung Störungen verursachen.

Das Konzept vie gewährleistet die optimale medizinische und psychologische Versorgung frühgeborener Kinder, ohne deren Entwicklung durch Störreize zu beeinträchtigen.


Exponat der Ausstellung
'Transhuman – Von der Prothetik zum Cyborg' Museum Ulm 2020